Hier also seine Aussage im O-Ton:
So if you think that there are too few new IPs on the market, no one can take that risk if their game is at risk of being resold too many times. ... So on the positive side you could see more games being created because of this, and also more new IPs, because there'd be a bigger market for games that don't have for instance multiplayer. There could be awesome single player-only games, which you can't really do these days because people just pirate them, which is sad.Zusammengefasst macht er Gebrauchtkäufe dafür verantwortlich, dass keine neuen Spieleserien entwickelt werden können. Oberflächlich betrachtet kann er damit sogar Recht haben, wenn man davon ausgehen würde, dass sich jede Person das Spiel auch neu und für den vollen Preis kaufen würde. In der Realität sieht das ganze aber nicht so aus. Wunschdenken steht da nicht an der Tagesordnung und Milchmädchenrechnungen kann er in seinem Mathebuch der 6. Klasse vollführen. Ich möchte hier jetzt wirklich mal klarstellen, warum Gebrauchkäufe legitim und auch von Nutzen sind für die ach so arme Industrie. Dafür ziehe ich auch das beliebte Beispiel für den Autokauf her. Fangen wir doch am Besten an.
Ein Videospiel kostet neu so zwischen 40-60€ wenn wir von einem Blockbuster ausgehen und keinem Indie-Spiel auf einer Plattform wie Steam. Von diesen Preisen müssen wir ausgehen, da ich noch keinen Indie-Entwickler gehört habe, dass er sich über Gebrauchtkäufe beschwert. Wenn wir jetzt noch bedenken, dass die meisten Gamer mindestens 2 aktuelle Plattformen besitzen und die Zeit vor Weihnachten geradezu mit AAA-Spielen überflutet wird, dann gehen wir von 10 großen Spielen pro Jahr aus. Das wären dann mal eben 500€ nur für die großen Titel. Eine nicht zu verachtende Stange Geld, die noch größer wird, wenn man Retrokäufe, Downloads, DLC und all den Kram mitrechnet.
Die unter euch, die ein regelmäßiges Einkommen haben, haben sicher kein Problem damit, so viel in ihr Hobby zu investieren, doch wie sieht es mit Kindern bzw. Jugendlichen aus? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese so viel Geld hätten um neben ihren anderen Hobbys noch so viel für Videospiele aufbringen zu könnten. Es geht einfach nicht. Dafür bräuchte man entweder sehr spendable Eltern oder man ist in der Lage Geld zu scheißen. Beides nicht wirklich reale Ansätze um das Problem zu lösen. Was tut man also, wenn man wieder einmal ein Spiel kaufen möchte und gerade knapp bei Kasse ist? Genau, man verkauft ein schon fertig gezocktes Spiel um sich das neue zu leisten. Somit kann der Gebrauchtkäufer sich das Spiel günstig erstehen, dass er eh nur dann gekauft hätte, wenn er es günstiger bekäme und der Verkäufer des alten Spiels kann sein Geld nun in ein neues Spiel, wenn nicht sogar in eine neue IP investieren und somit den armen Publishern und Entwicklern unter die Arme greifen. Wäre der Wiederverkauf nicht möglich gewesen, wären alle Parteien wohl leer ausgegangen. Beim Autokauf sieht das nicht anders aus. Wer keinen Geldesel im Keller versteckt kann sich mal nicht eben einen neuen Wagen anschaffen und braucht die paar Kröten extra für den Neuwagen durch den Verkauf seines Gebrauchten.
Und in der Autobranche funktioniert es mit dem Gebrauchtmarkt. Die meisten Autohäuser verdienen viel mehr Geld mit den Gebrauchtwagen, als sie es jemals mit den Neuwagen tun würden. VW hat ja auch in der Gebrauchtwagen-Branche das schnelle Geld gerochen, und daraufhin die "Weltauto"-Sparte gegründet, bei der Gebrauchtautos gekauft werden können. Wer weiß, wie viel Geld allein die Publisher durch die Verkaufsmargen eintreiben könnten. Das wäre quasi eine neue "Goldgrube".
VW Weltauto Werbung. Mitverdienen am Gebrauchtmarkt ohne Gängelung und Preiserhöhung
Um Wiederverkäufe zu unterbinden müsste man entweder diese durch idiotische Aktivierungscodes unterbinden und den ehrlichen Käufer noch mehr zu gängeln oder man senkt die Presie für Vollpreistitel und macht somit diese attraktiver für mehr Menschen. Die Macher des Spiel verdienen somit weniger an einer Verkauften Einheit, aber durch eine erhöhte Anzahl an Käufern kann sich dies relativieren. Ein Beispiel: Spiel X wird für 60€ verkauft und 2 Personen kaufen es. Das macht somit 120€. Spiel Y hingegen wird für 40€ angeboten, dafür kaufen es 4 Personen und damit kämen wir auf 160€. Eine Strategie die funktionieren könnte, aber kein Publisher traut sich dies zu, vor allem nicht wenn Produktionskosten stetig in die Höhe eilen.
Und hey, damit wären wir auch beim Innovations-Stopper!
Die, die den Teufel in den Gebrauchtspielen sehen, sind eben jene die selber daran schuld sind, dass man immer und immer wieder auf bekannten Serien herumreiten muss, statt seinen Arsch in Bewegung zu setzen um etwas zu entwickeln, dass einfach mal neu ist und sich somit neue Marken für die Zukunft erschafft. Aber nein, wie soll man auch? Man investiert lieber 200 Millionen Dollar in das ach so tolle AAA-Spiel und versucht die Investition und all den Marketing-Hype zu kompensieren. Da kann mir einer so oft ankommen wie er will, wenn er mir was von Quer-Finanzierung erzählen möchte. In 90% der Fälle trifft dies nämlich gar nicht zu. Habt ihr schon mal Activision etwas unglaublich Innovatives in den letzten Jahren entwicklen sehen? Ich nicht. Mit einem Etat von 200 Millionen Dollar könnten Entwickler wie Animata Design, Team Meat oder Polytron gleich mehrere Dutzend an neuen Spielen entwicklen die vom Stil einzigartig sein würden und ebenso (wenn auch nicht überall) Innovationen mit sich bringen würden. Ich sehe da nicht die Schuld in den Gebrachtspielen sondern eher in den abartig großen Entwicklungskosten und Null Risikobereitschaft der geldscheffelnden Publisher.
Daher höre ich in der Aussage von Patrick Bach nur das Verlangen nach immer mehr Zaster heraus. DICE sollte lieber mal ein neues Mirror's Edge oder eine ganz neue Serie erfinden, bevor sie so was verlangen KÖNNTEN. Selbst dann, ist ein Verlangen nach Abschaffung der Gebrauchtspiele eine Dummheit die Seinesgleichen sucht.


1 Kommentar:
Einen Vorteil hätte die Gebrauchtspielvernichtung aber! Es gäbe endlich keine gammligen GameStop Läden mehr :)
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